Hand in Hand

Alireza Kianian ist Asylwerber. Er floh aus dem Iran und wartet auf den Bescheid über seinen Flüchtlingsantrag. Rumsitzen und abwarten möchte der 19-Jährige nicht. Er engagiert sich lieber und arbeitet ehrenamtlich im Pflegeheim Birkenwiese. „Ausbildung und Sprache sind die wichtigen Schlüssel zur Integration geflüchteter Menschen. Mit unserer Koordinationsstelle „Hand in Hand mit Flüchtlingen in Dornbirn“ haben wir es uns zum Ziel gesetzt, Integration nicht nur selbst zu leben, sondern auch alle bei der Flüchtlingsarbeit zu unterstützen“, so Bürgermeisterin Dipl.-Vw. Andrea Kaufmann. Damit übernimmt die Stadt Dornbirn die Funktion des Brückenbauers zwischen den großen Partnern – Land, Gemeindeverband oder Caritas und ORS – und den Flüchtlingen, die in Dornbirn ankommen und auf ein sicheres Leben hoffen.

Ich bin in Dornbirn gsi“, dabei lächelt Alireza Kianian. Der junge Iraner lebt seit fünf Monaten in der Stadt und sein Asylverfahren ist in der Schwebe. Die Zeit nutzt der 19-Jährige, um die Sprache kennenzulernen. Er möchte aber mehr tun und arbeitet seit zwei Monaten im Pflegeheim Birkenwiese. Kian wird er hier gerufen und wenn der junge Mann dem Hausmeister Wolfgang zur Hand gehen kann, strahlt er über das ganze Gesicht. „Kian ist so zuverlässig und man kann ihm einfach vertrauen“, dabei klopft ihm Wolfgang auf die Schulter, „ich wünsche es ihm, dass es mit seinem Traumjob klappt.“ Beim Zahnarzt zu arbeiten, davon träumt er nicht nur. Dafür hat Kian mit seinem Betreuer von ORS Service – auf Betreuung und Unterbringung von Asylwerbern spezialisiert – bereits erste Bewerbungen geschrieben. Die Antwort hat nicht lange auf sich warten lassen. „Wenn es mit dem Antrag klappt, kann ich bei einem Dornbirner Zahnarzt eine Lehre anfangen.“ 

Brücken bauen 
Toleranz, Respekt und Fairness. Diese Werte sind im täglichen Zusammenleben wichtig, gerade wenn es um das Thema Integration von Flüchtlingen geht“, betont Stadträtin Marie-Louise Hinterauer. Dabei können bereits Kleinigkeiten des Alltags – wie ein Brot einkaufen oder einen Arzttermin ausmachen – Hürden darstellen, wenn man die Sprache und Kultur seines gastgebenden Landes nicht kennt. Deshalb ermöglicht die Koordinationsstelle „Hand in Hand mit Flüchtlingen in Dornbirn“ Angebote wie Deutschkurse, Alltagsbegleitung oder Hilfe bei der Arbeitssuche. An dieser Stelle werden Brücken gebaut zwischen den Systempartnern der öffentlichen Hand und den NGO’s. Hier geschieht auch die wirkliche Vermittlung, die Begleitung und Betreuung sowohl der Flüchtlinge als auch der Ehrenamtlichen. 

Etwas zurückgeben 
Alireza Kianian verbindet beides. Der Flüchtling arbeitet zwei Vormittage ehrenamtlich und engagiert sich für seine Mitmenschen. Mit seinem strahlenden Lächeln und seinem Engagement wird er von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Pflegeheims sehr geschätzt. Er hilft dem Pflegepersonal mit dem gleichen Lächeln, wie er auch Hausmeisterarbeiten übernimmt. Freut sich über neue Kontakte und Freunde, die er hier schon gefunden hat. Sie bringen ihm den Dialekt bei. Er lacht. „Heile kenne ich und gsi hört man sehr viel.“ Eine Zukunft in Vorarlberg kann sich der junge Iraner sehr gut vorstellen. Deshalb geht Kian jetzt auch wieder zur Schule, damit er seine beruflichen Träume verwirklichen kann. Er lernt, hofft und wartet. Auf den positiven Asylbescheid und auf den Winter. Denn Schnee kennt der 19-Jährige noch nicht.

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